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Interim Management im Schweizer Gesundheitswesen: Führungsvakanzen gezielt überbrücken

vor 10 Minuten
4 Min. Lesezeit

Eine Führungskraft fällt kurzfristig aus oder verlässt die Organisation. Die Aufgaben bleiben – und gerade auf Geschäftsleitungs-, Bereichs- oder Departementsebene lässt sich eine solche Vakanz selten über mehrere Monate nebenbei auffangen.





Entscheidungen müssen weiterhin getroffen, Mitarbeitende geführt, Projekte weitergeführt und operative Probleme bearbeitet werden. Gleichzeitig dauert die definitive Wiederbesetzung anspruchsvoller Führungspositionen häufig wesentlich länger, als zunächst angenommen wird.


Sechs bis zehn Monate Überbrückung sind schnell Realität

Bei spezialisierten Führungsfunktionen treffen mehrere Faktoren zusammen: aufwendigere Auswahlverfahren, ein kleinerer Kandidatenmarkt und häufig längere Kündigungsfristen geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten.


Aus unserer eigenen Mandatspraxis im Schweizer Gesundheitswesen zeigt sich deshalb ein realistischer Zeithorizont von häufig sechs bis zehn Monaten, bis anspruchsvolle Führungspositionen definitiv wiederbesetzt und die neuen Stelleninhaberinnen oder Stelleninhaber tatsächlich verfügbar sind.


Das betrifft COO- und CNO-Funktionen ebenso wie Pflegedirektionen, Departements- und Bereichsleitungen oder kaderärztliche Positionen. Neben Führungserfahrung sind in diesen Funktionen meist fundierte Branchenkenntnisse und ein Verständnis für die komplexen Abläufe eines Spitals erforderlich.


Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur:

Wer soll die Position künftig übernehmen?


Sondern ebenso:

Wer führt den Bereich während der nächsten sechs, acht oder zehn Monate?


Eine Vakanz lässt sich nicht unbegrenzt intern verteilen

Häufig werden die Aufgaben einer vakanten Führungsposition zunächst innerhalb der bestehenden Organisation verteilt.


Kurzfristig kann das funktionieren. Über mehrere Monate übernehmen Geschäftsleitung, andere Bereichsleitungen oder operative Führungskräfte jedoch zusätzlich Verantwortung für eine zweite Funktion. Die eigene Führungsaufgabe läuft gleichzeitig unverändert weiter.


Besonders anspruchsvoll wird dies, wenn der Führungswechsel nicht geplant war oder bereits organisatorische, personelle oder kulturelle Themen im Bereich bestehen. Dann benötigt die Organisation nicht nur eine administrative Stellvertretung, sondern aktive Führung.


Interim Management bedeutet mehr als die Besetzung einer freien Funktion

Eine Interimslösung übernimmt für einen definierten Zeitraum Verantwortung und hält die Organisation handlungsfähig.


Der Mehrwert liegt dabei insbesondere in vier Punkten:

  • Führungsverantwortung sofort übernehmen und die bestehende Organisation entlasten

  • Offene, schwierige oder unpopuläre Themen konsequent bearbeiten

  • Strukturen und Verantwortlichkeiten aus der operativen Praxis heraus überprüfen

  • Das Anforderungsprofil für die definitive Nachbesetzung schärfen


Damit wird eine Vakanz nicht lediglich überbrückt. Die Übergangszeit kann aktiv genutzt werden.





Welche Führung braucht der Bereich künftig?


Eine Vakanz bietet die Möglichkeit, vor der Nachbesetzung noch einmal genau zu prüfen, welche Anforderungen die künftige Führungsperson tatsächlich erfüllen soll.


Vielleicht hatte die bisherige Stelleninhaberin beispielsweise eine klassische Stellvertretung. Während der Interimslösung zeigt sich jedoch, dass diese Aufgaben künftig sinnvoller über eine Fachverantwortung oder eine andere organisatorische Lösung abgedeckt werden können. Damit verändert sich auch das Profil der gesuchten Führungsperson.


Ebenso kann sich zeigen, dass Führungsbreite, Schnittstellen oder Verantwortlichkeiten anders gestaltet werden sollten. Solche Erkenntnisse sollten vor Beginn der definitiven Rekrutierung berücksichtigt werden.


Der Rekrutierungsprozess orientiert sich damit nicht einfach an der bisherigen Stellenbeschreibung, sondern an den zukünftigen Anforderungen des Bereichs.


Schwierige Entscheidungen vor der Neubesetzung klären

In Übergangsphasen stehen nicht selten Entscheidungen an, die notwendig, aber unpopulär sind. Dazu können Veränderungen von Führungsstrukturen, Zuständigkeiten, Prozessen oder auch personelle Entscheidungen gehören.


Eine externe Interimslösung kann solche Themen unabhängig von bestehenden internen Beziehungen aufnehmen und konsequent umsetzen.


Gleichzeitig beginnt die definitive Nachfolge anschliessend nicht zwingend mit den schwierigsten Entscheidungen der vergangenen Monate.


Das kann gerade bei belasteten Teams relevant sein. Eine neue Führungskraft erhält damit die Möglichkeit, auf einer bereits geklärten Ausgangslage aufzubauen, anstatt unmittelbar beim Stellenantritt Konflikte austragen oder lange aufgeschobene Veränderungen umsetzen zu müssen.


Auch für Mitarbeitende kann eine externe und zeitlich klar begrenzte Person in Veränderungsphasen hilfreich sein. Entscheidungen werden stärker als Teil eines Übergangs- und Klärungsprozesses wahrgenommen und weniger unmittelbar mit einer langfristigen persönlichen Führungsbeziehung verbunden.


Wenn nicht nur die Stelle, sondern auch das Team Stabilisierung braucht

Besonders deutlich zeigt sich der Nutzen von Interim Management nach kurzfristigen Führungswechseln.


Wir haben solche Situationen mehrfach erlebt: Eine Führungsperson verlässt die Organisation kurzfristig, nachdem sich über längere Zeit Schwierigkeiten in Führung, Zusammenarbeit oder Organisation entwickelt haben. Im Team bestehen Unsicherheiten, Konflikte oder Vertrauensverlust. Gleichzeitig muss der Bereich unmittelbar weitergeführt werden.


Eine reine Aufgabenverteilung innerhalb der Geschäftsleitung greift in solchen Situationen häufig zu kurz.


Zunächst muss wieder Führungspräsenz hergestellt werden. Gespräche mit Mitarbeitenden sind notwendig, unterschiedliche Sichtweisen müssen aufgenommen, Zuständigkeiten geklärt und teilweise auch Prozesse überprüft werden.


Eine Interimslösung kann damit gleichzeitig zwei Aufgaben erfüllen: den Bereich kurzfristig stabilisieren und die Voraussetzungen für eine tragfähige langfristige Nachbesetzung schaffen.



Wann ist Interim Management sinnvoll?

Nicht jede freie Führungsposition benötigt eine externe Übergangslösung.


Interim Management wird insbesondere dann relevant, wenn absehbar ist, dass eine Vakanz mehrere Monate dauert und die damit verbundene Führungsverantwortung innerhalb der bestehenden Organisation nicht sinnvoll aufgefangen werden kann.

Das gilt besonders, wenn

  • Die Geschäftsleitung oder andere Führungskräfte bereits stark ausgelastet sind

  • Ein Bereich aktive Führungspräsenz benötigt

  • Wichtige Entscheidungen oder Veränderungen anstehen

  • Nach einer schwierigen Führungssituation Stabilisierung erforderlich ist

  • Vor der definitiven Rekrutierung zunächst Strukturen und Anforderungen geklärt werden sollen


Die Übergangsphase gezielt nutzen

Eine Führungsvakanz von sechs bis zehn Monaten ist für eine Organisation eine lange Zeit.


Natürlich können Geschäftsleitung oder andere Führungskräfte viele Aufgaben zusätzlich übernehmen. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit sie über mehrere Monate tatsächlich für einen zweiten Verantwortungsbereich aufbringen können – insbesondere dann, wenn komplexe Führungsfragen, Teamthemen oder Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen anstehen.


Interim Management schafft für diese Phase eine klare Führungsverantwortung. Gleichzeitig bietet die Übergangszeit die Möglichkeit, offene Themen zu bearbeiten und das zukünftige Führungsprofil zu schärfen.


So wird aus einer Vakanz nicht nur eine Überbrückungsphase, sondern eine gezielt genutzte Übergangszeit.


Interim Management im Schweizer Gesundheitswesen mit Mädler Healthcare Consulting

Mädler Healthcare Consulting unterstützt Organisationen dabei, Führungsvakanzen im Schweizer Gesundheitswesen professionell zu überbrücken und die Handlungsfähigkeit während längerer Übergangsphasen sicherzustellen.



Interim Management im Schweizer Gesundheitswesen bedeutet für uns dabei mehr als die temporäre Besetzung einer Funktion. Neben der unmittelbaren Führungsverantwortung können bestehende Strukturen überprüft, offene Themen bearbeitet, Teams stabilisiert und die Anforderungen an eine spätere definitive Nachbesetzung geschärft werden.

Mehr zu unseren Möglichkeiten im Interim Management sowie zu weiteren Formen der Führungs- und Projektunterstützung finden Sie in unserem Leistungsangebot. Weitere Informationen zu Mädler Healthcare Consulting finden Sie auf unserer Homepage.


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